Wenn die Selbstständigkeit scheitert – oder, wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue

von | Feb 23, 2018

Für die meisten von uns erfüllt sich mit der Tierischen Selbstständigkeit ein lang gehegter Lebenstraum. Wir sind motiviert, engagiert und bereit, für den Erfolg unseres Unternehmens persönliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Umso tragischer, wenn es dann nicht klappt und die Selbstständigkeit scheitert.

Bei meiner heutigen Interviewpartnerin war ein schwerer Sturz beim Hundefreilauf der Auslöser dafür, dass sie ihre Selbstständigkeit als Problemhundetherapeutin an den Nagel hängen musste. Doch kein Grund aufzugeben, denn wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Ein Interview mit Sonja Pilz von DNS-Tieraarschmuck

Die Gründe für das Scheitern einer Selbstständigkeit können sehr vielfältig sein. Bestimmte Faktoren, wie mangelhaftes Marketing oder fehlerhafte Kalkulation können wir gut selbst steuern und damit sogar kurz vor der Insolvenz noch das Ruder herumreissen.
Doch einen Faktor können wir nur bedingt beeinflussen: Unsere Gesundheit. Dabei ist sie unser höchstes Gut – auch ohne Selbstständigkeit.

Ich bin ein großer Fan davon, auf sich selbst und seine Gesundheit zu achten, rechtzeitig Auszeiten zu nehmen, bevor man sie benötigt und auch vermeintlich unbedeutende Lappalien wie Erkältungen ernst zu nehmen. Doch auch wenn wir noch so sorgsam darauf bedacht sind, uns gesund zu ernähren (die körperliche Aktivität haben wir ja meist im Beruf sowieso), ausreichend zu schlafen und unsere kleinen Infekte ausreichend auszukurieren, kommt es manchmal zu lebensverändernden Einschnitten, die wir nicht vorher sehen können.

Sonja Pilz von DNS-Tierhaarschmuck hat mir von dem Lebensereignis erzählt, welches ihrer Selbstständigkeit als Problemhundetherapeutin wortwörtlich den Boden unter den Füßen weggerissen hat.

Nachdem sie sich gemeinsam mit ihrer Tochter 3 Jahre lang um den Aufbau ihres Unternehmens als Problemhundetherapeuten kümmerte und von Marketing bis Kundengespräche alles selbst umgesetzt hatte, brachte sie ausgerechnet ihr eigener Labrador Sam beim Spiel mit anderen Hunden so unglücklich zu Fall, dass sie ins Krankenhaus kam, wo man einen komplizierten Bruch des Kniegelenkes feststellte und operierte.

Einige Zeit musste sie im Krankenhaus bleiben und war nach ihrer Entlassung noch weitere Wochen auf einen Rollstuhl angewiesen. Glücklicherweise bestanden keine größeren finanziellen Verpflichtungen, da sie als Problemhundetherapeutin mobil gearbeitet hat. Die finanzielle Absicherung durch einen zusätzlichen Vollzeitjob hat sich in ihrem Fall als Rettungsanker erwiesen und so verlor sie letztlich nur, was sie selbst in den Geschäftsaufbau investiert hatte.

Es dauerte ein ganzes Jahr, bis sie wieder richtig gehen konnte und auch heute ist ihre Mobilität noch nicht vollständig wieder hergestellt. Doch bereits während der Monate nach dem Krankenhausaufenthalt war abzusehen, dass dieser Unfall ihr Leben verändern würde – nicht nur beruflich, sondern auch privat, denn sie würde zukünftig nicht mehr in der Lage sein, ihren eigenen 38-kg-Labrador zu führen oder mit großen, schweren Hunden zu arbeiten, denn ein erneuter Sturz würde die Gefahr mit sich bringen, dauerhaft im Rollstuhl zu landen.

Wenn man etwas aufgeben muss, was man mit Herzblut und seiner ganzen Energie aufgebaut hat, tut dies sehr weh.

Es folgten schwere und schmerzliche Entscheidungen, darunter die, sich von Labrador Sam zu trennen. Doch bereits während der Genesungsphase war sich Sonja sicher, dass sie weiterhin “irgendetwas mit Tieren” machen wollte. Sie hatte einen Vollzeitjob, der sie finanziell absicherte, doch ihre Leidenschaft gehörte nach wie vor den Tieren.

Zwar hatte sie an ihre Ausbildung zur Problemhundetherapeutin auch die Ausbildung zur Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen angehängt, doch der Konkurrenzdruck in dieser Branche erschien ihr zu stark, um damit dauerhaft glücklich zu werden. Die Idee zum Tierhaarschmuck bekam sie dann auf Umwegen doch wieder von Labrador Sam. Von ihm hatte sie sich nämlich einige Haare in einem Kästchen zur Erinnerung aufbewahrt. Sie kam auf die Idee, diese Haare in ein Schmuckstück zu einzuarbeiten, um ihren Sam immer bei sich tragen zu können.

In jedem einzelnen Tierhaar befindet sich die DNS (DNA) und somit die Einzigartigkeit jedes einzelnen Tieres. Diese Idee kam in ihrem Bekanntenkreis so gut an, dass sich die Anfragen, ob sie das auch für andere machen würde, rasch häuften. Und da Sonja auch noch unheimlich Spaß daran hatte, den Menschen ein einmaliges Erinnerungsstück ihres (verstorbenen) Tieres anzufertigen, beschloss sie, erneut den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Im Anfertigen von individuellen Schmuckstücken mit Tierhaaren hat Sonja nun ihre neue Berufung gefunden. Doch sie geht kein Risiko ein und möchte weiter die finanzielle Absicherung des Vollzeitjobs behalten. Den Tierhaarschmuck bietet sie daher nur nebenberuflich im Kleingewerbe an.

Da Sonja sämtliche Schritte eines Gewerbes bereits einmal durchlaufen hatte, war die Umsetzung der erneuten Selbstständigkeit um ein vielfaches einfacher für sie und das positive Feedback von Bekannten und Freunden gab ihr die nötige Motivation den Schritt zu wagen.

Ich empfand es nicht als mutig neu anzufangen. Ich empfand es eher als Befreiungsschlag mit einer Idee neu zu starten.

Heute sagt Sonja, sie ist definitiv nicht froh über ihren Unfall und das damit einhergehende Ende ihrer Tätigkeit als Problemhundtherapeutin. Aber sie ist sehr glücklich darüber, eine Alternative gefunden zu haben, die ihr Leben bereichert und darüber, wie groß die Freude und Dankbarkeit ihrer Auftraggeber ist, wenn sie ihr Schmuckstück mit den Haaren des eigenen Lieblings in den Händen halten.

Wenn du mehr über Sonja und ihre Arbeit erfahren möchtest, besuche doch einmal ihre Homepage. Hier siehst du einige von Sonjas Arbeiten:

 

Wir sprechen nicht gern über die Möglichkeit des Scheiterns einer Selbstständigkeit, aber wie wir in diesem Fall lernen dürfen, ist es manchmal unumgänglich. Gleichzeitig gibt es aber unzählige Möglichkeiten, sich selbst und seine Tätigkeit neu zu erfinden und letztlich kann man selbst mit einer dauerhaften körperlichen Behinderung dennoch einer erfüllenden Arbeit rund ums Tier nachgehen. Vielleicht nicht immer so, wie man es kurz oder lang geplant und vielleicht schon aufgebaut hat, aber wenn man offen für neues ist, wird man einen Weg finden.

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