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Ein typischer Tag als Tierphysiotherapeutin (Gastbeitrag von Nadja Löhrer)

von | Sep 11, 2019 | Allgemein, Dein Business, Gastbeiträge | 0 Kommentare

Einleitung: Vor einiger Zeit rief ich meine Facebook-Follower dazu auf, Gastbeiträge für diesen Blog zu schreiben.  Nadja von Tierphysio-Pfotenhufe kam dem Aufruf gern nach. Sie schickte mir vor einigen Tagen einen Artikel über einen typischen Tag als Tierphysiotherapeutin. Eigentlich wollte ich nur kurz mal drüber lesen, da ich an dem Tag ein Migräneanfall plagte, aber bereits die ersten Sätze fingen mich ein und ich las den ganzen Artikel. Nadja hat nämlich eine wunderbare Art zu schreiben. Ich hoffe, euch gefällt der Beitrag genauso sehr wie mir und bedanke mich bei Nadja für diesen tollen Beitrag und die mitgeschickten Bilder. 

Als mobile Tierphysiotherapeutin fahre ich täglich zu meinen kleinen und großen Patienten und es ist für mich jedes Mal wundervoll, dass ich meine Berufung jeden Tag auf’s Neue leben und erleben darf.

Gerne möchte ich dich einen Tag mitnehmen, um dir einen Einblick in die Arbeit eines Tierphysiotherapeuten zu geben, denn es ist so viel mehr als ein bisschen zu massieren , hier und da zu ruckeln und “knack-knack“, einen Wirbel einzurenken.

Es gibt Tage, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und von einem solchen Tag möchte ich dir erzählen:

Der Montag beginnt früh und ich bereite alles vor, um meine Patienten bestmöglich zu behandeln. Ich checke die Therapiegeräte und reinige sie noch mal. Dann packe ich mir eine Kleinigkeit zu essen ein, denn für eine richtige Mittagspause bleibt meistens keine Zeit. Bevor es losgeht, versorge ich natürlich noch unsere eigenen Tiere.

Meine erste Patientin wohnt um die Ecke und nach 10 min Fahrt bin ich angekommen. Ich kenne Mia und ihre Menschen seit Beginn meiner Selbständigkeit und begleite die kleine Bolonka-Hündin auch schon fast so lange. In den vergangenen vier Jahren ist ein großes Vertrauen gewachsen und ich freue mich, dass Mia mich schon ungeduldig erwartet. Sie ist gut drauf und genießt die Magnetfeldtherapie sowie die Massage sehr. Die Besitzer sind erleichtert, denn es gibt auch Tage, an denen sie voller Sorgen sind, weil Mia Schmerzen hat und weder spielen mag, noch laufen möchte. An solchen Tagen nehme ich mir immer besonders gern mehr Zeit, denn es ist mir wichtig, den Menschen ein wenig die Sorge zu nehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein gelassen und ernst genommen werden. Aber heute ist alles soweit gut. Die Muskulatur fühlt sich gut an, der Rücken und die Gelenke sind schmerzfrei. Ich bin froh, dass Mias Besitzer so ein außerordentlich gutes Gespür für ihren kleinen Schatz haben und wir somit alle dafür sorgen können, dass die doofen Tage so selten wie möglich sind.

Der nächste Patient ist ein Hund aus dem Tierschutz, den ich heute das zweite Mal sehe und behandle. Dieser zauberhafte 10 Jahre alte Rüde hat neurologische Ausfälle, die mehrere Tierärzte nicht zuordnen können, wie mir die Besitzerin bei ihrem Anruf ein wenig hilflos mitteilte. Auch hier werde ich freundlich und mit wedelndem Schwanz begrüßt und die Fellnase und ich kuscheln erstmal eine Runde ausgiebig. Dann wird die Therapiematte ausgebreitet und eine gewohnte Decke daraufgelegt. Das findet er seltsam und macht es sich lieber auf seinem Kissen gemütlich. Die Besitzerin und ich sprechen über die ein oder andere offene Frage, die der Therapieplan mit sich gebracht hat, sodass sich der Hundepatient all die ungewohnten Dinge in Ruhe und mit Sicherheitsabstand angucken kann, bis er bereit ist und sich entspannt auf die Matte legen lässt.

Er genießt die Massage, die auch die Besitzerin an ihrem Schätzchen unter meiner Anleitung übt, sodass diese bei Bedarf von der Besitzerin allein durchgeführt werden kann. Besondere Aufmerksamkeit schenke ich den vielen Narben am gesamten Hundekörper, die mit Hilfe von Narbenmassage und Salbe geschmeidiger werden. Ich bin immer wieder fassungslos, was manche Tiere erleiden, erleben und erdulden müssen und bewundere gleichzeitig die Tiere, die dankbar für jede Hilfe, Zuneigung, Zeit und Liebe der Menschen sind.

Nach den beiden Patienten beantworte ich Nachrichten, lese mir nochmal Unterlagen durch, die ich für einen Kurs vorbereitet habe und gehe dann eine schöne Runde mit unserem Hund im Wald spazieren, bevor es zu einer Neupatientin geht.

Es erwartet mich eine kuschelige und menschenbezogene Hündin, die zu mir sofort Vertrauen fasst und die Befundaufnahme wie ein Profi mitmacht. Besonders großartig findet sie die Magnetfelddecke, auf der sie in weniger als einer Minute einschläft. Wie schön, dass meine Neupatienten alles so genießt und annimmt. Ich schreibe das Gefühlte und Gesehene auf, bespreche mit der Besitzerin, wann der Therapieplan fertig ist und vereinbare den nächsten Termin. Ich freue mich jetzt schon auf die kleine Genießerin.

Auf dem Weg nach Hause lasse ich den bisherigen Tag Revue passieren, gehe das Erlebte nochmal gedanklich durch und es macht sich ein schönes Gefühl in mir breit. Es war ein sehr guter Start in die Woche. Zu Hause wartet auf mich noch ein wenig Bürokram, aber der ist schnell erledigt und ich kann mit Sicherheit vor 20.00 Uhr Feierabend machen.

Zu Hause angekommen sehe ich zuerst nach, ob im Laufe des Tages Nachrichten oder (…) Anrufe eingegangen sind. Mir kommen die Tränen, denn in einer Nachricht erfahre ich, dass eine (…) Patientin über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Ich lassen die Büroarbeit sein und auch die Termin-Findung mit dem Steuerberater verschiebe ich. Das hat alles noch ein oder zwei Tage Zeit.

Stattdessen schnappe ich mir unseren Hund und fahre zu unserem Pferd in den Stall. Ich genieße einfach die Zeit und bin dankbar, dass es unseren Tieren gut geht. Ich denke an die kleine Bulldogge und schicke den Besitzern und ihr liebevolle Gedanken. Trotz dieser traurigen Nachricht bin ich dennoch froh, dass ich die Knautschnase und ihre Menschen in den letzten Monaten begleiten durfte und helfen konnte. Gerade an solchen Tagen wird mir noch bewusster, dass ich meinen Beruf, meine Berufung gefunden habe. Egal, wie lange ich Tier und Mensch begleite, die Dankbarkeit von allen Seiten ist einfach wundervoll.

Ich vergesse nie, welche Verantwortung ich für das Tier, den Besitzern und mich selbst habe: Achtsam sein mit ganz viel Herz, bestimmt sein mit Feingefühl, Umsicht zeigen und jeden Tag auf‘s Neue mutig und freundlich für die Belange der Tiere einstehen und den Besitzern beratend und hilfreich zur Seite stehen.

Das war exemplarisch ein Tag aus den vergangenen vier Jahren. Jeder Tag ist anders und immer wieder für Überraschungen gut, voller emotionaler Momente, traurigen Ereignissen, freudigen Erlebnissen aber auch mit Unsicherheiten, bürokratischen Hürden und organisatorischen Herausforderungen gespickt sowie viel Fahrzeit und Staus.

Zurück in mein „früheres“ Arbeitsleben möchte ich nicht mehr, denn ich bin genau da, wo ich sein möchte. Bei den Tieren (und ihren Menschen), die ich unterstützen, denen ich helfen und deren Schmerzen ich lindern kann. Ich habe meinen Traumberuf gefunden.

 

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