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Welpenstunde – so bitte nicht!

von | Apr 29, 2016 | Für TrendSETTER | 0 Kommentare

Erfahrungsbericht über den Besuch einer Welpenstunde – So bitte nicht!

Ich weiß, dass es vielen schwer fällt, Kunden nach einem Feedback zu fragen. Dabei wäre das doch sooo wichtig, um die eigene Leistung an die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden anzupassen und zu verbessern. Oder eben um zu wissen, ob man auf dem richtigen Weg ist.

In Zukunft möchte ich hier auch den ein oder anderen Kundenbericht veröffentlichen, damit du weißt, was so bei anderen Dienstleistern passiert und vor allem, wie das vom Endkunden wahr genommen wird. Bei diesen Befragungen gehe ich anonym vor, der Dienstleister wird nicht öffentlich genannt und auch ich lasse mir den Namen nicht von den Kunden geben. Es geht mir nicht darum, einen Dienstleister schlecht zu machen oder explizit zu bewerben, ich möchte vielmehr dazu anregen, über das eigene Konzept nachzudenken und es ggf. anzupassen.

Die erste, die ich diesbezüglich befragen durfte, ist Sabrina. Sabrina hat einen eigenen Blog über das Leben in und um Osnabrück mit ihren beiden Hunden – der dreijährigen Schäferhündin Queen und der kleinen Malteser-ShiTzu-Welpendame Püppi. Kürzlich besuchte sie mit Püppi eine Welpenstunde, von der sie leider nicht so begeistert war, und über die sie mir in einem Interview erzählt hat. Lies dir den Artikel gern durch und reflektiere dann, was du in deinem Angebot vielleicht ähnlich machst und verbessern könntest.

Als Püppi neun Wochen alt war, besuchte Sabrina den Welpenkurs in einer örtlich ansässigen Hundeschule. Queen kam “erst” im Alter von 4 Monaten zu Sabrina und hatte starke Defizite in der Sozialisierungsphase. Dadurch ist sie im Umgang mit anderen Schwanzwedlern oft etwas unbeholfen. Damit Püppi sich das Verhalten ihrer “großen Schwester” nicht abschaut, sollte sie die Möglichkeit bekommen, mit Gleichaltrigen zu spielen und die richtige Kommunikation mit anderen Hunden zu erlernen. Für Sabrina war der hier beschriebene Besuch der erste Besuch in einer Welpenstunde.

Von der Auswahl der Hundeschule bis zum Ende der Stunde

In einer lokalen Facebook-Gruppe wurde immer wieder eine Hundeschule empfohlen, worauf ich mich auf der Internetseite umsah. Diese war leider schlecht strukturiert und so blieb nur, sich mittels der angegebenen Telefonnummer mit der Hundeschule direkt in Verbindung zu setzen. Bei dem Telefonat wurde eine ungefähre Teilnehmerzahl der Welpenstunde angeführt (ca. 9) wobei man sich nicht zu jeder Welpenstunde einzeln anmelden müsse. Außerdem wurde erklärt, dass der Welpe vor der Stunde nicht gefüttert werden sollte und statt einem Geschirr ein Halsband tragen solle, weil sich die anderen Welpen sonst im Geschirr verbeissen könnten.

Zum vereinbarten Termin kamen dann 8 Hundewelpen und ihre Besitzer. Die Gruppe war gemischt aus kleinen und großen Welpen und auch das Alter war unterschiedlich angelegt. So traf die 9 Wochen alte ShiTzu-Malteser-Dame Püppi unter anderem auf einen 17 Wochen alten Dobermann und eine 11 Wochen alte französische Bulldogge.

Bereits vor dem Beginn der Stunde lernte Püppi die französische Bulldogge Myles kennen, die ebenfalls zum ersten Mal an der Welpenstunde teilnahm. Als wir gemeinsam mit dem Halter der Bulldogge in die Halle kamen und die Hunde sich kurz beschnupperten, wurden wir sofort lautstark von der Trainerin aufgefordert, die Hunde zu trennen und keinen Kontakt zuzulassen, während die Hunde angeleint sind. Dann begann die Stunde mit einer Übung zur Leinenführigkeit, wir sollten einige Schritte gehen und wenn der Hund zu weit nach vorn lief, sollte er mit Leckerchen zurück gelockt werden. Danach hieß es für die Welpen “Spielzeit”.

Die Hunde wurden abhängig vom Alter in 2 Gruppen aufgeteilt, eine Gruppe wechselte die Halle. Einer der anderen Welpen in Püppis Gruppe war noch recht ungebremst und grob, er schlug beim Toben mit den Pfoten um sich, was Püppi und die französische Bulldogge sehr verunsicherte. Bald fingen beide an zu knurren und zu schnappen, wenn sich der größere Hund näherte. Die Trainerin blieb dabei annähernd untätig und so mussten schlussendlich wir Hundehalter die kleineren Hunde vor dem Energiebündel bewahren. Während der “Spielzeit” pendelte die Trainerin zwischen den Gruppen in zwei Hallen hin und her, so dass auch immer wieder Situationen entstanden, in der wir uns recht allein gelassen fühlten. Ein zweiter Trainer wäre hier sicherlich die klügere Alternative gewesen. Zurück in der anderen Gruppe wurde eine Aufmerksamkeitsübung durchgeführt: Erst sollten wir ein Leckerchen zur eigenen Stirn führen und den Hund belohnen, wenn dieser mit dem Blick dem Leckerchen folgt, danach sollte man den Arm mit dem Leckerchen zur Seite strecken und die Leckerchengabe erfolgen, wenn der Hund dennoch zu unserem Gesicht schaut. Das hat aber anscheinend keiner der Welpen verstanden und korrekt umsetzen können, da die Hunde viel zu aufgeregt waren und sich nicht mehr konzentrieren konnten.

Als es anschließend wieder “Spielzeit” hieß (diesmal allerdings mit allen Hunden) hatten blieb Püppi auf dem Arm. Ein 17 Wochen alter Dobermannrüde tobte ungebremst durch die Halle, wusste scheinbar nicht, wohin mit seiner Kraft und überrannte die anderen Hunde, so dass sich selbst eine stattliche Bulldogge lieber zurückzog, andere versteckten sich in Ecken und unter Tischen.

Am Ende der Stunde gab es noch ein wenig Theoriewissen rund ums Thema Hundeernährung und eine offene Fragerunde. Die Antworten der Trainerin erschienen recht befremdlich und auch die Erklärungen der Standpunkte verbesserten das nicht. So wurde eine Ernährung mit gewürzten Essensresten als „völlig in Ordnung“ beschrieben und das Tragen eines Halsbandes für eine leichtere Leinenführigkeit empfohlen. BARFen wurde zwar empfohlen, allerdings die Komplexität dieser Ernährungsform nicht weiter beschrieben. Die anderen Hundehalter schienen alle keine Erfahrung mit dem Thema zu haben und alles zu glauben.

Gesammelte Eindrücke

Auf die Frage, was Sabrina nicht so gut gefallen hat, folgte eine längere Liste, aus der ich nur die wichtigsten Sachen herauspicke:
Trainerin erschien unfreundlich und herablassend
Gruppengröße zu groß, Hunde in Alter und Größe zu unterschiedlich
Trainerin zeitweise nicht anwesend, auch sonst fehlende Intervention
Übungen wurden einmal erklärt, danach erfolgte keine Korrektur, keine Verbesserungsvorschläge, kein Lob
keine Vorstellungsrunde und fehlende Begrüßung neuer Teilnehmer
Trainingsmethoden veraltet
fragwürdige und zum Teil gefährliche Ernährungstipps
kein liebevoller Umgang mit den Hunden
kein persönliches Gespräch, als nach einem Kurs für den Ersthund gefragt wurde, Termine “solle man sich selbst auf der Internetseite oder irgendwo auf dem Gelände am schwarzen Brett suchen”

Insgesamt vermittelte das Verhalten der Trainerin ein eher ungutes Gefühl bei Sabrina.

Es schien nur darauf anzukommen, möglichst viel Geld einzunehmen.

Die Frage, ob und was ihr denn gut gefallen habe, beantwortete Sabrina nur knapp damit, dass ihr das Trainingsgelände gut gefallen hätte. Es war großräumig, sauber und gepflegt.

Die Trainerin hat in Sabrinas Augen keine Kompetenz ausgestrahlt, viele Situationen nicht ernst genug genommen und nicht eingegriffen. Einige Male war sie auch in Ihre Unterlagen vertieft, anstatt auf die spielenden Welpen zu achten. Beim Thema Ernährung fielen teilweise falsche Aussagen.

Kundenwunsch

Ich habe Sabrina gefragt, wie sie sich denn eine Welpenstunde gewünscht oder vorgestellt hätte.

Die Welpen sollten deutlicher nach Alter und Größe unterschieden werden und bei einer hohen Teilnehmerzahl sollte ein zweiter Trainer bzw. eine zweite Trainerin anwesend sein. Wenn Hunde durch ihr Verhalten Unsicherheiten oder Angst bei anderen Hunden auslösen, sollte durch den Trainer/die Trainerin eingegriffen werden.

Ein weiterer Wunsch war, dass sich der Trainer/die Trainerin bei den Übungen von Hund zu Hund bewegt und jedem persönliche Tipps für die Umsetzung gibt.

Sabrina hat in der Zwischenzeit eine weitere Welpenstunde in einer anderen Hundeschule besucht und über die dortigen Erfahrungen ebenfalls in Ihrem Blog berichtet. Dort fühlte sie sich deutlich besser aufgehoben.

Wie siehst du den Bericht? Was hättest du anders gemacht? Was findest du gut, was nicht?

 

Info zum Text: Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit Sabrina Konczak, die auch die Bilder zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank, liebe Sabrina! 🙂

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